Petra Nicolaisen diskutiert mit Vertretern des Handwerks

07.11.2018

Wie gelingt es, kleinere Gemeinden wie Bergenhusen zukunftsfähig zu machen? Diese wie auch Probleme mit ständig wachsenden Bürokratie-Anforderungen und zur Mindest-Ausbildungsvergütung standen im Mittelpunkt einer Gesprächsrunde, zu der Kreishandwerksmeister Hans Christian Langner die Bundestagsabgeordnete Petra Nicolaisen in das Handwerkszentrum Kropp-Stapelholm im Storchendorf eingeladen hatte. Mit von der Partie waren außerdem der Geschäftsführer vom Handwerk Schleswig-Holstein, Marcel Müller-Richter, und die Obermeister Nils Autzen (Bau) und Tim Schulte (Sanitär, Heizung, Klima).

„Die Zentralorte werden gestärkt, das Drumherum bleibt draußen vor“, bringt Langner das Problem auf den Punkt. „Was nützen uns gute Ideen, wenn wir sie nicht umsetzen dürfen, oder andere sie im großen Stil kopieren“, fragt der stellvertretende Bürgermeister von Bergenhusen.
Eine Lösung sieht die Bundestagsabgeordnete in dem Wunsch der Bundesländer, die Gemeinschaftsaufgabe Agrar und Küstenschutz (GAK) um die „ländliche Entwicklung“ zu erweitern. „Mit einer erweiterten GAK besteht die Chance, die bereits bestehenden Strukturen für die Förderung der ländlichen Regionen auf eine neue Stufe zu heben“, so Nicolaisen. Damit könne es gelingen, die Landwirtschaft auch weiterhin bei wichtigen Investitionen zu unterstützen und gleichzeitig die dringend notwendige Förderung von Infrastruktur und Daseinsvorsorge in den ländlichen Gebieten voranzutreiben.

Profitieren könnten z.B. nichtlandwirtschaftliche Kleinstbetriebe mit maximal zehn Beschäftigten; Es ließen sich kleinere Infrastrukturen und Basisdienstleistungen für den ländlichen Raum schaffen, Gebäude könnten zu Multifunktionshäusern umgebaut werden; der ländliche Tourismus würde profitieren, der Naturschutz und das kulturelle Erbe in den Dörfern würde verbessert. Ein entsprechender Gesetzentwurf der Bundesregierung liege seit zwei Jahren vor, werde aber noch vom Finanz- und Innenminister blockiert.
Weiteres wichtiges Thema war der große Formalismus bei Anträgen. „Für eine einfache Freihandvergabe in Höhe von 8.000 EUR für Dachrinnen muss man in Henstedt-Ulzburg eine Seite ausfüllen. In Kiel sind es mittlerweile 35“, beklagt der Kreishandwerksmeister. „Da muss es keinen wundern, dass die Beteiligung an Ausschreibungen so schlecht ist.“

Alle Vertreter der Handwerkerschaft lehnen jede Festsetzung einer starren branchenübergreifenden Mindestausbildungsvergütungshöhe ab. Diese Maßnahme sei ebenso unnötig wie tarifpolitisch gefährlich. Es müsse auch an die Betriebe gedacht werden, die ausbilden und dafür auch erhebliche Kosten in Kauf nehmen. Die Anwesenden appellierten deshalb an die Bundestagsabgeordnete, dass die Groko zumindest die Unterschiede in der Höhe der Ausbildungsvergütungen einzelner Branchen nicht aus dem Blick verlieren dürfe. So sei es zwingend erforderlich, einen branchenspezifischen Ansatz zugrunde zu legen und die Sozialpartner einzubeziehen.