Neues Kompetenzzentrum für mehr Schlagkraft und Schnelligkeit

20.11.2017

Diskussion der Sektion Schleswig-Flensburg des Wirtschaftsrats zu Firmenansiedlungen in der Grenzregion

Wenn die Region Schleswig/Flensburg bei der Ansiedlung von Unternehmen aus Skandinavien weiterhin erfolgreich sein will, dann müssen für mehr Schlagkraft und Schnelligkeit erforderliche Kompetenzen unter einem Dach gebündelt und die Verantwortlichkeit für das Ergebnis in eine Hand gelegt werden. Das war die Quintessenz der Podiumsdiskussion „Deutsch-Skandinavische Ansiedlungskompetenz für den Raum Schleswig-Flensburg“, zu der die Sektion Flensburg eingeladen hatte.
Nach einer kurzen Begrüßung durch Sektionssprecher und Moderator des Abends, Hauke Präger, setzte Mogens Link-Schmidt, Geschäftsführer der Søstrene Grene Deutschland Nord, den Impuls für die Diskussion. In lockerer Art berichtete der Däne über die Erfahrungen von der Gründung der deutschen Tochter bis hin zur Eröffnung des ersten Geschäfts in Hamburg.
Link-Schmidt: „Unsere Mentalität ist: Wenn wir uns entschieden haben, dann wollen wir loslegen. Wir lösen Probleme, wenn sie kommen.“ In Dänemark dauere eine Gründung nicht einmal eine Woche – in Deutschland sei hingegen oft Geduld gefragt. Als ein Beispiel nannte er die Zuteilung einer internationalen Steuernummer, „auf die wir mehrere Monate gewartet haben.“ Sein 1973 im Nachbarland gegründete Handelsunternehmen sei aber von einem Erfolg in Deutschland immer überzeugt gewesen.
Mitte 2016 wurde die erste Filiale in der Hansestadt eröffnet – und schlug grandios ein. „Wir hatten in drei Monaten 168.000 Besucher.“ Diese Resonanz sei der Auftakt für ein schnelles Wachstum gewesen. In gut einem Jahr sind 24 weitere Filialen mit heute 250 Mitarbeitern hinzugekommen. Link-Schmidt bewertet das Wachstum auch als einen Erfolg für Schleswig-Holstein und Flensburg, denn „wir haben hier von ganz vielen aktive Unterstützung bekommen.“ Firmensitz der GmbH für alle Aktivitäten ist Handewitt, bis 2020 sind
deutschlandweit 100 Filialen geplant.
Mit Blick auf seine Erfahrungen wünscht er sich eine „Behörden-Landkarte, damit man schneller weiß, wer für was zuständig ist.“ Zudem rät er den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, sich bei der Ansprache von Investoren Zielgruppen auszusuchen und sich dann auf deren Bedürfnisse zu spezialisieren. Abschließend kündigte er an, dass „wir alles unternehmen, um auch bald in Flensburg mit einer Filiale vertreten zu sein“.
Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) sieht in der Wirtschaftsförderung eines ihrer Schwerpunktthemen. „Wir haben die Kompetenz und bündeln diese aktuell für mehr Schlagkraft.“ Dabei sei auch ein Ziel, das „Finanzamt und das Amtsgericht mit ins Boot zu holen.“ Als großen Vorteil gegenüber anderen Regionen Deutschland sieht sie die Zweisprachigkeit. Die Stadt Flensburg leiste einen guten Beitrag für die Ansiedlungskompetenz und „ich wünsche mir, dass auch die Umlandkommunen aktiver werden.“
Für die Bundestagsabgeordnete Petra Nicolaisen (CDU) und Landtagsmitglied Kay Richert (FDP) ist der durch die Landesregierung geplante Aufbau eines schleswig-holsteinischen Kompetenzzentrums für skandinavische Ansiedlungen ein wichtiger Schritt. Beide Politiker hatten sich in den Koalitionsverhandlungen in Kiel für sein solches Zentrum stark gemacht. Aus ihrer Sicht müsse dieses Zentrum bestehende Hemmnisse bei Ansiedlungsvorhaben abbauen. Die Region Schleswig/Flensburg müsse dabei die Vorreiterrolle einnehmen und „Inhalte und Aufgaben dieses Zentrums definieren“, so Nicolaisen.
Begrüßt wurde die Schaffung eines Kompetenzzentrums von Benjamin Feindt, Partner der tyskrevision Steuerberatungsgesellschaft. Seine Firma begleitet skandinavische Investoren bei ihrem Weg nach Deutschland. Er machte deutlich, dass „aktuell die Geschwindigkeit, bis eine Ansiedlung möglich ist, Glückssache ist“. Fünf Institutionen seien beispielsweise an der Erteilung einer Steuernummer beteiligt – und „wenn da an einer Stelle jemand krank ist, dann dauert es länger.“ Der gute Wille der Politik, daran etwas zu ändern, sei spürbar. Für sein Fazit des Abends erntete Applaus. „Statt der Zuständigkeit jeder einzelnen Behörde brauchen wir eine Lösung, bei der sich einer für das Ergebnis insgesamt verantwortlich fühlt.“ Er sei sicher, dass dann vieles zügiger gehe. Holger Hartwig (hh)